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Munderkrankungen können auch psychische Ursachen haben

Leitfaden soll Zahnärzte beim Erkennen psychosomatischer Störungen unterstützen

Wie eng Psyche und Zähne zusammen gehören, hat der Volksmund schon lange erkannt: Man beißt sich durch, auf Granit oder die Zähne zusammen, zeigt sie dem Gegner, nimmt etwas zähneknirschend hin oder kaut an Problemen.


Immerhin rund ein Viertel der Deutschen leidet unter psychosomatischen oder psychischen Erkrankungen. Dazu zählt auch die extreme Angst vor einem Zahnarzt, die bis zu 10 Prozent der Bevölkerung betrifft. Ein "Leitfaden für Zahnärzte zur Psychosomatik in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde" soll den Behandlern künftig einen wissenschaftlich begründeten und gleichzeitig praxisnahen Problemaufriss liefern, um psychische Probleme frühzeitig zu erkennen und bei der Lösung zu helfen.
Dieser wird von der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) herausgegeben und ist von Vertretern des Arbeitskreises Psychologie und Psychosomatik in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) erarbeitet worden.

"Der Leitfaden stellt die wesentlichen psychosomatischen Störungen, Krankheitsbilder und therapeutischen Ansätze im zahnärztlichen Versorgungsalltag dar und führt darüber hinaus in die professionsübergreifende Zusammenarbeit ein", erläutert BZÄK-Vizepräsident Dr. Dr. Dietmar Oesterreich. "Er soll die zahnärztliche Diagnostik und Therapie um den psychosomatischen Blickwinkel erweitern." Denn organisch nicht erklärbare Beschwerden im Mundraum können psychischer Natur sein. Dr. Dr. Oesterreich: "Manchmal ist der Zahnarzt der Erste, der die psychischen Probleme eines Patienten erkennen kann."

Dabei kann sich PD Dr. Anne Wolowski, Münster, auf aktuelle Zahlen beziehen, um die Bedeutung psychosomatischer Aspekte zu unterstreichen. Die erste Vorsitzende des Arbeitskreises Psychologie und Psychosomatik in der DGZMK verweist auf einen oft jahrelangen und schmerzhaften Leidensweg der Patienten. Rund ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland leiden zu einem gegebenen Zeitpunkt ihres Lebens unter einer psychischen oder psychosomatischen Erkrankung. Da im Unterschied zu Facharztpraxen der Zahnarzt die "Allgemeinbevölkerung" behandelt, kann man davon ausgehen, dass etwa 20 % der Patienten, die mit Beschwerden in eine Zahnarztpraxis kommen, psychisch beeinträchtigt sind. Diese Zahlen belegen, wie omnipräsent psychosomatische Krankheitsbilder auch in der zahnmedizinischen Praxis sind und welche gesundheitsökonomische Konsequenzen das haben kann. "Um diesen Menschen besser helfen zu können, haben wir einen interdisziplinären Ansatz entwickelt, der neben weiteren Fachdisziplinen der Medizin, wie Radiologie, Orthopädie, Rheumatologie, Neurologie oder Hals-Nasen-Ohrenheilkunde auch die Psychosomatische Medizin mit einbezieht", so Dr. Anne Wolowski.

Auf Basis des Leitfadens soll der Zahnarzt künftig besser erkennen können, in welchen Fällen ein Patient weiterreichende Hilfe benötigt. Der Leitfaden unterstützt bei der biopsychosozialen Anamnese und der Patientenführung. Gleichzeitig steht der Leitfaden auch als Beleg einer vom Berufsstand selbst getragenen zahnärztlichen Fortbildung, die sich thematisch und fachlich an den Bedürfnissen der Patienten und nicht an denen staatlicher Zwangsvorgaben ausrichtet.

Den Leitfaden "Psychosomatik in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde" können interessierte Zahnärzte bei ihren zuständigen (Landes-) Zahnärztekammern anfordern.

Quelle:
Pressemitteilung der Bundeszahnärztekammer